Dieselfahrverbote: Das müssen Autofahrer jetzt wissen

Dieselfahrverbote: Das müssen Autofahrer jetzt wissen

Dieselfahrer haben derzeit wenig Grund zur Freude. Dennoch gibt es Gründe zur Hoffnung. Haben Sie sich einen Diesel gekauft, konnten Sie sich wahrscheinlich nicht vorstellen, dass es einmal Dieselfahrverbote geben wird. Ein Dieselfahrverbot bedeutet, dass Sie mit Ihrem Fahrzeug nicht in bestimmte Städte einfahren dürfen, wenn dort für eine Umweltzone ein Dieselfahrverbot angeordnet wurde. Derzeit ist vieles im Fluss.

Das Wichtigste

  • Dieselfahrzeuge der Abgasnormen 1 – 4 dürfen in einer Reihe von größeren Städten nicht mehr in festgelegte Umweltzonen einfahren. Teils sind auch Fahrzeuge der Abgasnorm 5 betroffen.
  • Für Fahrzeuge der Abgasnorm 5 kommen Nachrüstbausätze in Betracht.
  • Erst Fahrzeuge der Abgasnorm 6d TEMP und besser erfüllen die vorgegebenen Umweltkriterien.
  • Soweit die Entwicklung dazu führt, dass die modernen Dieselmotoren nur noch saubere Luft produzieren, spielen Dieselfahrzeuge ihren eigentlichen Trumpf, nämlich gegenüber Benzinmotoren erheblich weniger Kraftstoff zu verbrauchen, in voller Form aus.

Wer ist von Dieselfahrverboten betroffen?

Dieselfahrverbote betreffen ältere Dieselfahrzeuge, die nicht die Abgasnorm (Schadstoffklasse) Euro 6 erfüllen. Sind Sie Halter eines Dieselfahrzeuges, müssen Sie zunächst feststellen, inwieweit Sie überhaupt betroffen sind und welche Abgasnorm Ihr Auto denn hat. Um die Schadstoffklasse herauszufinden, müssen Sie die Zulassungsbescheinigung Teil I einsehen. Dort finden Sie unter 14.1 unter den beiden letzten Ziffern des abgedruckten Codes die Emissionsklasse. Jetzt können Sie anhand der Emissionsklasse feststellen, inwieweit Ihr Fahrzeug betroffen ist. Hilfestellung finden Sie mithin beim ADAC, der entsprechende Listen bereitstellt.

Was ist, wenn ich ein Fahrzeug der Emissionsklasse Euro 5 fahre?

Dieselfahrzeuge der Abgasnorm 1 bis 4 sind natürlich besonders betroffen, da sie die Forderungen an ihre Umweltverträglichkeit nicht erfüllen. Fahren Sie ein Fahrzeug der Norm 5, hatte das Bundesverwaltungsgericht bestimmt, dass solche Fahrzeuge frühestens seit September 2019 mit Fahrverboten belegt werden durften. In Berlin besteht daher auch für die Diesel-Abgasnorm 5 auf bestimmten Strecken ein Fahrverbot. Soweit Fahrverbote bestehen, sollten Sie eine Nachrüstung ins Auge fassen. Nachrüstbausätze kommen für Euro-4 und Euro-5-Fahrzeuge in Betracht, sofern nach der Umrüstung höchstens 270 mg NOx pro Kilometer ausgestoßen werden, der Nachrüstbausatz bis zu einer Temperatur von -7° funktioniert und mindestens fünf Jahre oder 100.000 km seinen Dienst erfüllt. Im Einzelfall muss das Kraftfahrtbundesamt die Betriebserlaubnis zur Dieselnachrüstung erteilen. Auch hier scheint vieles offen zu sein. Niemand weiß genaues. Für einzelne Modelle von VW, Volvo und Mercedes liegen mittlerweile Betriebserlaubnisse hervor. Sie sollten sich dazu kompetent beraten lassen. Ob und inwieweit Sie die Hersteller an den Kosten für den Einbau von Nachrüstbausätzen beteiligen können, ist gleichfalls weitgehend offen. Mercedes und Volkswagen leisten wohl finanzielle Unterstützung von bis zu 3000 EUR für die vom Kraftfahrtbundesamt genehmigten Hardware- Nachrüstungen.

In welchen Städten bestehen dieses Fahrverbote?

Städte richten vermehrt Umweltzonen ein. Umweltzonen sollen die Bewohner vor Stickoxiden und Feinstaub schützen. Nur wenn Sie eine grüne Plakette auf der Windschutzscheibe haben, dürfen Sie in eine solche Umweltzone einfahren. Soweit Dieselfahrzeuge die Standards einer Umweltzone nicht erfüllen, kann die Kommune eine Fahrverbotszone anordnen und Dieselfahrzeuge ausschließen. Erstmals wurde am 1.6.2018 in Hamburg per Gerichtsbeschluss eine Fahrverbotszone erzwungen. Soweit ersichtlich, bestehen in folgenden Städten Dieselfahrverbote (Quelle ADAC):

  • Berlin
  • Bonn
  • Darmstadt
  • Essen
  • Frankfurt
  • Köln
  • Gelsenkirchen
  • Hamburg
  • Mainz
  • Stuttgart

In fast allen Städten gibt es erhebliche Unterschiede, welche Fahrzeuge betroffen sind, wo Ausnahmen bestehen und vor allem auf welchen Strecken innerorts Fahrverbote angeordnet sind. Möchten Sie in eine dieser Städte einfahren, sollten Sie sich vorab informieren, wie das Fahrverbot gehandhabt wird. In Berlin ist es so, dass das Land Berlin über die bestehenden Fahrverbotszonen hinaus die Ausweitung der Fahrverbote auf bis zu 120 Straßenabschnitte prüfen muss.

Praxisbeispiel:

In Stuttgart sind Pkw und Lkw der Diesel-Abgasnorm Euro 4 und älter betroffen. Die Fahrverbotszone gilt im gesamten Stadtgebiet. Ausnahmen bestehen mithin für Lieferverkehr, Rettungsdienste und Menschen mit Behinderung. Auf Einzelstrecken sind auch Diesel-Pkw der Euro 5-Norm betroffen, so auf der B 14 (Hauptstätter Straße) vom Österreichischen Platz bis zum Marienplatz. Wegen der sich möglicherweise ständig ändernden Bedingungen sollten Sie sich im Detail informieren, wenn Sie betroffen sind.

Welcher Dieselfahrer darf überhaupt noch in eine Fahrverbotszone einfahren?

Möchten Sie in eine städtische Umweltzone einfahren, sollte Ihr Fahrzeug den neuen Abgasstandard Euro 6d TEMP oder Euro 6d ausweisen. Besitzen Sie ein Fahrzeug der Abgasnorm Euro 6a bis Euro 6c, müssen Sie damit rechnen, dass Sie trotz verbesserter Abgaswerte früher oder später in bestimmte Innenstädte gleichfalls nicht mehr hineinfahren dürfen. So sollen Fahrzeuge erst ab der Schadstoffklasse Euro 6d TEMP und Euro 6d im Realbetrieb sauber daherkommen. Bei diesen Fahrzeugen sollten Sie davon ausgehen dürfen, dass sie in absehbarer Zeit von innerstädtischen Fahrverboten nicht erfasst werden. Eine Garantie dafür gibt es natürlich nicht. Möchten Sie sich diesen Risiken entziehen, bleibt in letzter Konsequenz nichts anderes übrig, Ihr Dieselfahrzeug abzuschaffen und einen Benziner, Hybridfahrzeug oder ein Elektrofahrzeug zu kaufen oder endgültig aufs Fahrrad oder den mehr oder weniger vorhandenen öffentlichen Nahverkehr umzusteigen.

Werden die Fahrverbotszone kontrolliert?

Gibt es Verbote, stehen die Behörden wie immer vor dem Problem, das Verbot kontrollieren zu müssen. Einem Fahrzeug lässt sich kaum ansehen, welche Abgasnorm sein Motor erfüllt. In Hamburg jedenfalls führt die Polizei stichprobenartige Kontrollen durch. Verstöße werden mit Bußgeldern von 25 EUR geahndet. Lkw-Fahrer zahlen 75 EUR. In Berlin hat die Polizei klargestellt, dass sie mit dem vorhandenen Personal nicht in der Lage ist, die seit November 2019 eingerichteten Fahrverbotszonen zu kontrollieren. Die teilweise geforderte „blaue Plakette“ für saubere Dieselfahrzeuge, die die Kontrolle erleichtern würde, hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer als „fachlich begründet falsch“ abgelehnt.

Ist denn der Diesel wirklich so schlecht?

Diesel stinkt. Zumindest war das früher so. Der Abgasskandal und die Dieselfahrverbote tragen heftig dazu bei, dass der Diesel in Verruf geraten ist. Der Verkauf von Dieselautos in Deutschland ist seitdem um die Hälfte eingebrochen. Diese Wirklichkeit steht aber offenbar völlig im Gegensatz zur technischen Entwicklung. Selbst Umweltschützer loben die Dieseltechnologie der neuesten Generation, deren Fahrzeuge die Abgasnorm Euro 6d TEMP erfüllen.

Motoren mit der Abgasnorm Euro 6d TEMP scheinen wahre Luftreinigungskünstler zu sein. Sie sollen so sauber sein, wie die Autoindustrie, wenn auch unter Einbeziehung manipulierter Abgaswerte, seit Jahren vorgaukelt. Tests scheinen zu belegen, dass Fahrzeuge der neuesten Generation kaum mehr als 40 mg NOx ausstoßen. Dazu wird eine Technik verwendet, bei der Katalysatoren mit Harnstoffeinspritzung möglichst nahe am warmen Motor platziert werden, mit der Konsequenz, dass neuere Motoren bis zu 95 % weniger Stickoxide ausstoßen als Fahrzeuge der vorhergehenden Euro -5-Generation.

Lichtblicke gibt es auch beim Feinstaub. Moderne Filtertechniken scheinen in der Lage zu sein, die Luft noch sauberer auszustoßen, als vorher aus der Umgebung angesaugt wird. Tests haben angeblich ergeben, dass die modernen Filter mehr Feinstaub aus der Luft herausfiltern, als der Wagen selber ausstößt. Wenn dem tatsächlich so ist, sollte dem Diesel eine hoffnungsvolle Zukunft bevorstehen.

Und es kommt noch besser: Lässt sich ein Dieselfahrzeug tatsächlich sauber fahren, besteht der größte Trumpf wie seit jeher in dem besonders günstigen Treibstoffverbrauch. Beim Treibstoffverbrauch liegen Diesel um 15 - 20 % besser als Benziner. So soll der neue 2 l TDI von Volkswagen auf 100 km nur noch 3,7 l verbrauchen und damit 17 % weniger als sein Vorgängermodell. Dies entspricht einem CO2 Ausstoß von gerade noch 97 g/Kilometer. Eine Tankfüllung ist erst nach 1000 km Fahrt geleert (Quelle: SZ v. 3.1.2020).

Fazit

Gute und saubere Luft ist unser Lebenselixier. Auch wenn Sie sich als Dieselfahrer zum Sündenbock abgestempelt fühlen, sollten Sie Ihr Schicksal annehmen. Letztlich bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig. Schließlich möchten Sie Ihr Auto wohl kaum verschrotten. Wenn die Luft sauberer wird und sich die Autoindustrie endlich veranlasst sieht, saubere und bessere Technologien zu entwickeln, haben Sie als Dieselfahrer der Gesellschaft einen echten Dienst erwiesen. Vielen Dank, dass Sie einen Diesel gekauft haben.

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